Bombe in Oslo und Tod vieler Jugendlicher

Gestern Abend im Fernsehen und heute auf dem Weg ins Büro im Radio habe ich von den schrecklichen Morden an so vielen Unschuldigen in Norwegen gehört. Auf der Welt passiert immer wieder viel Unheil und jeder von uns nimmt es zur Kenntnis, aber für uns alle ist das  meistens sehr weit weg.

In diesem Fall mit Norwegen ist es für mich doch recht nahe und ich bin innerlich sehr betroffen. Das hängt sicher damit zusammen, dass ich vor zwei Wochen selber beruflich in Norwegen war.  Wir, meine Firma und ich, sind dabei neue Kontakte zu neuen Kundengruppen für Spanien und Andalusien zu besuchen. In dem Zusammenhang war ich bei Reiseveranstaltern in Oslo und in TroTrondheim-1ndheim.

In den wenigen Tagen meiner Norwegenreise habe ich einiges über Land und Leute gelernt. Einmal, dass es nur 4,5 Millionen Einwohner dort gibt. Ich habe gemerkt, dass die, die ich kennen gelernt habe, eine besonders freundliche und angenehme Art haben, mit mir und miteinander umzugehen.

Ein ganz besonderes Erlebnis christlicher und menschlicher Nächstenliebe habe ich in Trondheim erlebt. Dieses Erlebnis beschäftigt mich noch immer im positivsten Sinne. Es ist auch der Grund, warum ich heute, im Angesicht des Todes in Norwegen, diesen Blogbericht schreibe.  Eigentlich hätte ich genug anderes, vermeintlich Wichtigeres zu tun, aber für mein Seelenleben hat das mit Norwegen und Trondheim Vorrang.

Was habe ich in Trondheim erlebet? Am späten Abend sind meine Kollegin und ich mit dem Flugzeug aus Oslo gekommen.  Nach dem Einchecken im Hotel, mitten in Trondheim habe ich noch einen Spaziergang durch die nahe Altstadt, runter zum Fluss gemacht. Obwohl es schon nach 23:00 Uhr war, war es noch ziemlich hell. Für mich ungewohnt, aber angenehm.

Am nächsten Morgen hatten wir früh unseren Besprechungstermin mit dem dortigen Reiseveranstalter, zu dem wir bequem zu Fuß gehen konnten. Nachdem wir alles ausführlich besprochen und leckeren Kaffee bekommen hatten, gingen wir zurück zu unserem Hotel. Bis zur Abfahrt zurück zum Flughafen, für den Flug nach Oslo, war noch reichlich Zeit. Somit machten meine Kollegin und ich meinen nächtlichen Spaziergang bei strahlendem Sonnenschein noch einmal, da meine Kollegin am gestrigen Abend direkt schlafen gegangen ist.Trondheim-8

Wir gingen über den großen Marktplatz, durch die schmale, alte Gasse in Richtung der alten, großen, grauen Kirche. Gestern Abend war sie verschlossen. Nun aber stand die schwere Eingangstür weit offen. Vor der Kirche saß ein älterer Mann mit langen etwas ungepflegten Haaren und trank sein Bier.

Wir gingen in die Liebfrauenkirche und blieben gleich nach dem Eingang sehr verwundert stehen. In dem Bereich, wo in anderen Kirchen sich die Gesangbücher stapeln und dunkle Bänke auf Gläubige warten, waren Tische und Stühle aufgestellt. Links war eine Art Tresen auf dem große Thermoskannen mit Kaffee und Tee standen und Teller mit Graubrot, auf das bereits Butter gestrichen war.  Vor diesen Tellern standen offene Gläser mit unterschiedlichen Marmeladen.

Hinter diesem Tresen standen eine Frau und ein Mann, mittleren Alters, die uns sehr freundlich begrüßten. Total verwundert und etwas irritiert gingen wir in die Kirche Richtung Altar. Keiner von uns beiden hatte etwas Derartiges je in einer Kirche gesehen. Wie wir uns so verwundert nun den schönen, großen, schlichten Altar betrachten, schnarcht es leise hinter uns.  Beim Umdrehen sehen wir einen offensichtlich Obdachlosen, der auf der Kirchenbank liegt und schläft.

Nun noch mehr verswundert, gehen wir zurück zu den Tischen und Stühlen und sehen uns das Ganze etwas genauer an. Das Publikum, das hier sitzt ist gemischt. Einige sind wohl auch ObTrondheim-4dachlos oder zumindest arm. Der Mann, der hinter dem Tresen steht sieht unsere verwunderten Blicke und lädt uns ein, Kaffee oder Tee zu trinken und etwas zu essen.
Meine Kollegin nimmt einen Tee, ich einen Kaffee und ein halbes Graubrot mit selbst gemachter Erdbeermarmelade, die sehr lecker geschmeckt hat. Der MannTrondheim-9 hinter dem Tresen kommt zu uns an den Tisch und fragt, wo wir herkommen. Ich antworte ihm und frage zurück, auf welche Initiative diese barmherzige Aktion begründet ist. Er erklärt uns, dass es in Trondheim 900 Freiwillige gibt, die hier für Bedürftige und für jeden, der in diese Kirche kommt, für das Wohl sorgen.

Er erklärt weiter, dass am Wochenende von Freitag bis Sonntag die Kirche mit den Freiwilligen 24 Stunden geöffnet ist und dann viele Obdachlose hier herkommen um in der Kirche zu schlafen. Wir sagten ihm, dass wir von derartiger wirklich echter, praktizierter Nächstenliebe sehr beeindruck sind.

Im Rausgehen haben wir auch unseren finanziellen Beitrag zu diesem Engagement in die Kollekte geworfen. Bereits am Telefon habe ich meiner Frau von diesem Erlebnis berichtet und später auch viele meiner Freunde und Bekannten. Keiner kannte ein ähnliches Engagement von unseren Kirchen.

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