Jesus und die Welt der Promis – Erinnerungen an meinen Sprachkurs in der Onspain School Málaga

Jesus und die Welt der Promis - Erinnerungen an meinen Sprachkurs in der Onspain School Málaga

Tag 3: Ich mag es, einfach drauf los zu fahren. So gehe ich nach dem Sprachunterricht zur Bushaltestelle und steige spontan in den Bus nach Olías.

Zunächst bin ich allein. Als der Bus am Ortsausgang Málaga hält, steigt eine einzelne Dame zu, bepackt mit unzähligen Tüten und Beuteln. Obwohl der gesamte Bus leer ist, nimmt die Dame direkt neben mir Platz, bunkert ihre Einkäufe im sowieso schon engen Fußraum und fragt nach Einnahme der endgültigen Sitzposition: „Ist es okay so?“ – „Ja.“ – „Was machen Sie hier?“ – „Ich gehe in eine Sprachschule!“ – „Und hier im Bus?“ – „Ich möchte mir Olías angucken.“

 

Olias
Olias

Wir fahren zu dritt eine kurvige Bergstraße hinauf. Der Bus hält ein zweites Mal. An einer einsamen Haltestelle irgendwo im Nirgendwo. Kein Haus weit und breit. Doch aus dem Nichts erscheint ein älterer Herr.

Sobald sich die Bustüren schließen, beginnt eine angeregte Konversation zwischen Busfahrer, Nieves und José, so heißen die zwei weiteren Fahrgäste.

„Wie geht´s dem Enkel?“ – „Gut, gut, gut“…. – „Und der Rücken?“ Irgendwann kommt das Gespräch auf mich. „Sie ist in einer Sprachschule.“ – „Ach, sie ist in einer Sprachschule!“ – „Sie will sich Olías angucken.“ – „Ach, sie will sich Olías angucken!“ Gutgemeintes Zunicken.

 

Olias Gässchen
Gässchen in Olias

Nach etwa einer halben Stunde haben wir unser Ziel erreicht. Den Plan, einmal mit dem Rad hier rauf zu fahren, habe ich bereits auf halber Strecke aufgegeben. 9km klingt machbar. 9km die geschlängelten engen Bergstraßen hinauf – unmöglich.

Ich frage, wann der nächste Bus zurückfährt. Eine angeregte Diskussion beginnt, bis Nieves dem Busfahrer erklärt, dass der letzte Bus in 45 Minuten geht und der Fahrer bemerkt, dass ER selbst wohl heute die letzte Fahrt übernimmt. Ich laufe los, um keine Zeit zu verlieren.

Olías ist ein typisches andalusisches Dorf: Weiß gekalkte Häuser, schmale Gassen, kleine Kirche in der Dorfmitte. Es ist Siesta-Zeit. Hier und da brummt eine Klimaanlage.

Pferd vor dem Gasthaus in Olias
Pferd vor dem Gasthaus in Olias

Ab und zu hört man Geschirr klappern. Aber ansonsten absolute Stille. Nur ein Gasthaus ist geöffnet. Eins von insgesamt zwei. Vor dem Eingang ein geparktes Pferd.

Als ich eintrete sind alle Blicke auf mich gerichtet. Touristen sind hier wohl eher selten. Ich bestelle „una caña y una tapa“ und nehme auf der Terrasse Platz. „Ich bin Teresa!“ stellt sich die Bardame persönlich bei mir vor. Ich mache ihr Komplimente über ihr wunderschönes Dorf. Sie strahlt. Kurz darauf frage ich nach der Rechnung. „Habe leider nicht viel Zeit! Muss den letzten Bus nehmen!“ Teresa schaut traurig und macht mir einen Vorschlag: „Fahr doch mit der Gemüsefrau zurück! Dann kannst du länger bleiben!“ Ich bin gerührt von soviel Freundlichkeit, lehne jedoch ab, verspreche aber bald wiederzukommen.

 

Auf der Fahrt zurück bin ich wieder mit dem Busfahrer allein. Er stellt sich mir vor: „Soy Jesús.“ Ich schlucke kurz. Dann krame ich meine gesamten Spanischkenntnisse hervor  und erzähle ihm von Deutschland. Im Gegenzug erzählt er mir Promi-Geschichten aus der Umgebung Málagas. „Antonio Banderas wurde hier geboren. Und George Clooney hat ein Haus in Marbella.“ Als wir an meiner Haltestelle ankommen, sind Jesús und ich fast schon gute Freunde. Der Abschied fällt uns schwer. „Adios, Jesús.“ – „Adiós, Caterina. Hasta la próxima!“